Die Monster im Kühlschrank
Im Kühlschrank wohnen Monster. Ich weiß das, weil ich sie kichern höre. Wenn das Licht in der Küche aus ist und sie denken, dass niemand mehr wach ist, dann kann man sie hören wenn man lauscht. Sie kichern und lachen, glucksen und rülpsen, gackern und jaulen, fauchen und quietschen. Sie machen die Tür auf und zu, so dass das Licht des Kühlschranks für einen Moment die Küche erleuchtet. Dann kann man in genau diesem Licht die Schatten der Monster tanzen sehen. Sie sind groß und klein, dick und dünn, rund und lang, eckig und stumpf. Mit vielen Augen und nur einem, mit Tentakeln und Händen und Haaren und Glatzen. Sie tanzen durch die Regale des Kühlschranks und bewerfen sich mit Eiern, tanzen durch die Butter, reiben sich am Käse, baden in Milch und Marmelade, duschen in Saft, cremen sich mit Erdnussbutter ein und Tauchen in Jogurt, drücken auf den Früchten herum, bis sie diese braunen Stellen haben, die man auf den Verfall schiebt. Manchmal, aber nur manchmal, knabbern sie den Käse an, aber immer essen sie das was du am liebsten magst und lassen nur den Brokkoli und all die gesunden Sachen übrig, die sowieso niemand mag.
Am nächsten Tag scheint alles wie vorher bis auf die Flecken und die fehlenden Lebensmittel und wenn du jemandem sagst, dass es die Monster waren, dann wird dir die Schuld in die Schuhe geschoben und es heißt, es gibt keine Monster, das warst du.
Aber ich weiß, dass es die Monster gibt, ich habe sie gesehen und gehört. Man muss leise sein um die Kühlschrankmonster zu erwischen. Als erstes musst du Eliot einsperren, denn sobald er dich entdeckt, fängt er das Bellen an und tanzt um dich herum in der Hoffnung ein Leckerchen aus der Küche zu bekommen und du bist enttarnt. Gib ihm am Besten bevor du schlafen gehst einen Knochen, dann ist er die Nacht über beschäftigt und ignoriert dich. Du musst bis lange nach Mitternacht warten, mindestens drei Mal und dann musst du die Treppe herunter schleichen- aber Vorsicht! die dritte Stufe oben und die letzten zwei unten quietschen und knarren und das verschreckt die Monster. Es hilft nichts über sie zu springen, weil der Aufschlag noch mehr Lärm macht, du musst entweder langsam darüber steigen oder dich die wenigen Schritte am Geländer entlang hangeln. Das geht aber nur, wenn du nicht zu dick bist, denn sonst knarrt das Geländer und die Monster wissen bescheid. Sie sind nämlich gar nicht dumm, die Monster.
Wenn du diese erste Hürde geschafft hast ohne, dass du die ganze Treppe hinab gestürzt bist und nicht nur die Monster verschreckt sondern das ganze Haus aufgeweckt hast, dann kannst du dich bereits glücklich schätzen. Aber es ist ja nicht die einzige Hürde auf dem Weg zur Monsterentdeckung. Nicht immer scheint der Mond durch das Fenster im Flur und das ist gut und schlecht. Gut weil du so keinen eigenen Schatten wirfst, den die Monster sehen können. Schlecht weil du selbst überhaupt nichts siehst. Nicht beim ersten Mal. Es dauert bis sich deine Augen an die Schwärze gewöhnt haben, aber sie tun es.
Wenn du es schaffst dich leise durch den Flur zu stehlen ohne über etwas zu fallen, dir dabei etwas zu brechen oder schlimmer, die Stille zu stören, dann hast du es fast geschafft. Fast kannst du schon durch die Küchentür spähen und die Monster sehen. Vielleicht hörst du sie sogar schon.
Die letzten Schritte sind die gefährlichsten, denn Monster haben ein sehr gutes Gehör und wenn du Pech hast, sind ein paar der Eier schon im Flur gelandet und du kannst darauf ausrutschen. Also pass auf wo du hintrittst, auf ein Ei zu treten fühlt sich nämlich gar nicht schön an.
Du musst deinen Rücken an die Wand drücken, denn so kannst du sicher sein, dass sich erstens niemand an dich heranschleicht und zweitens, dass du nicht so leicht zu sehen bist in der Dunkelheit.
Mit jedem Schritt, den du näher an der Küche dran bist, kannst du sie deutlicher kichern und glucksen hören. Vielleicht hörst du auch schon wie sie sich eine Schlacht aus Sprühkäse und Spürsahne liefern oder Hürdenlauf durch deine Fruitloops machen, von denen du dich am nächsten Morgen standhaft weigern wirst, auch nur einen Löffel zu nehmen, weil du doch deutlich die Fußabdrücke erkennen kannst und dafür lautstark ausgeschimpft wirst, weil sich deine Mutter natürlich nicht die Mühe macht genau hinzusehen. Denn sonst würde sie sie auch sehen. Die kleinen Monsterfußabdrücke, die besonders oft auf den Blauen sind, weil du die ja am liebsten magst.
Wenn du endlich nach deiner Odysee durch das nachtschlafende Haus an der Küche angelangt bist, warte ein paar Minuten an der Tür ohne hineinzusehen und lausche. Wenn keiner von dir Notiz nimmt, dann kannst du vorsichtig um die Ecke spähen und du wirst sie sehen. Die Monster im Kühlschrank, deren Schatten im Licht der Tür tanzen während sie auf und zu schwingt weil ein Monster am Griff schaukelt um aus der Schussweite des Monsters zu kommen, dass die Küche mit Eiswürfeln übersäht.
Du hast sie jetzt also gesehen, die Kühlschrankmonster. Nächstes Mal erkläre ich dir wie du das Monster erwischt, dass immer eine Socke verschwinden lässt um sich damit ein Nest zu bauen und einzukleiden bevor es die Löcher in deine Lieblingsjeans nagt und was nachts im Klo schwimmen geht.
Aber keine Sorge, Monster unter dem Bett gibt es schon lange nicht mehr. Sie wohnen alle im Kühlschrank weil Schokopudding einfach besser schmeckt als deine Fußzehen.