Der Geruch der Wertlosigkeit
Sein Geruch hängt an mir, wie die Fliegen an einem heißen Sommertag an der Scheiße.
Genau so fühle ich mich. Der zurückgelassene Dreck, den niemand will. Ich kann tun was ich will ich werde ihn nicht los.
Den verdammten Geruch. Eine Mischung aus Schweiß, Tabak, Sex und Seife. Mehr braucht es nicht. Kein Deo und kein Aftershave.
Chemie würde alles erträglicher machen, denn dann könnte es auch ein anderer sein. Nicht er.
Ich habe zwei Mal geduscht und die Laken durch neue ersetzt. Die Waschmaschine presst gerade seinen Geruch aus der Wäsche der letzten Nacht und lässt ihn mit all dem anderen Dreck im Abfluss verschwinden. Aufnimmerwiedersehen.
Wenn es nur so einfach wäre.
Die Zigarette schmeckt nicht. Sie wird überlagert von der Erinnerung seiner Zunge. Mein Zahnfleisch blutet, so sehr habe ich mir die Zähne geschrubbt. Von den anderen Stellen will ich gar nicht erst anfangen. Der Geschmack von Blut und Nikotin lässt Übelkeit in mir aufsteigen. Selbst sie fühlt sich besser an als alles was er hinterlassen hat.
Es war alles gut heute Nacht. Es schien so viel richtiger im Zwielicht als bei Tag.
In all der Helligkeit fühle ich mich schlecht. Wie die dreckige Schlampe mit den Ringen unter den Augen und den geweiteten Pupillen, die mir der Spiegel über der Spüle zeigt. Es war eine Scheißidee ihn in erster Linie da anzubringen nur um den Fernseher beim abspülen zu sehen.
Den sehe ich gerade nicht. Nur das stinkende Mädchen mit der Kippe im Mundwinkel, das mal wieder den Falschen gefickt hat.
Nicht einen Falschen, irgendeinen, sondern den Falschen.
Der vor einer Stunde abgehauen ist nachdem er wie ein räudiger Köter sein Revier markiert und seinen Gestank überall verteilt hat.
Alle Fenster sind sperrangelweit offen.
Es ist November und ich friere. Die Ahnung des ersten Schnees liegt in der Luft.
Es ist egal. Der verdammte Gestank muss weg. Ich drohe zu ersticken.
Wölkchen bilden sich vor meinem Mund und meine Zähne schlagen aufeinander. Ich schmecke wieder blut.
Ich spucke es aus, auf den Boden. Jetzt ist sowieso alles egal. Ich habe das Gefühl sogar der Bademantel, den ich trage riecht nach ihm. Es treibt mich in den Wahnsinn.
Der verdammte Geruch. Ohne ihn wäre alles okay. Ohne ihn ginge es mir gut. Ohne ihn hätte ich nicht gerade in die Spüle gekotzt und würde jetzt nicht vor Kälte und Erniedrigung zittern.
Ohne ihn könnte ich mir einreden, dass alles nur ein böser Traum gewesen war.
Ein Traum, nicht mehr. Ohne den Geruch wäre alles nur ein Traum gewesen und ich wäre nicht mit der Tatsache konfrontiert, dass er es wieder geschafft hat, sich alles zu nehmen was er wollte. Kaputt zu machen, was ich seit seinem letzten Besuch errichtet habe und mich erneut mit dem Gefühl zurück zu lasen nichts wert zu sein.